Warum Farnkreis

Stiller Waldsee im Nebel mit bemoosten Steinen am Ufer

Auch dieser Name hat zwei Hälften, und erst zusammen ergeben sie das, was ich meine.

Der Farn ist die eine. Es heißt, wer in der Johannisnacht Farnsamen findet, dem zeige sich das Verborgene, und manche Fassungen der Geschichte versprechen sogar, er werde unsichtbar. Das Schöne daran: Farn bildet überhaupt keine Samen, er hat Sporen. Die Suche war also von Anfang an aussichtslos, und trotzdem sind die Menschen losgezogen, jedes Jahr wieder. Genau das mag ich an dieser Überlieferung. Sie erzählt weniger über den Farn als über uns.

Dazu kommt, dass Farne zu den ältesten Pflanzen überhaupt gehören. Sie standen schon da, lange bevor die erste Blüte aufging, und sie stehen heute noch im Wald, ohne dass jemand sie beachtet.

Der Kreis ist die andere Hälfte. Steine, die man im Kreis legt, um eine Frage von allen Seiten anzusehen. Das Jahr, das im Kreis läuft und immer wieder an derselben Stelle vorbeikommt. Und der Kreis aus Zeichen, der auf jedem Beutel steht.

Beides will dasselbe: etwas sichtbar machen, das sich sonst entzieht. Und beides ist älter als alles, was wir darüber aufgeschrieben haben.

Was ich damit vorhabe

Mir geht es nicht darum, irgendetwas zu beweisen. Menschen haben an Runen geglaubt, an Kräuter im Feuer, an Sprüche und an den Mond, und ich finde das viel zu schade zum Vergessen. Deshalb hole ich es zurück, in die Hand, an den Hals und auf den Tisch. Was ich dazu weiß, schreibe ich dazu, und wo die alten Quellen sich widersprechen, sage ich das auch.

Wenn ich aussuche, habe ich dich vor Augen, wie du leichten Schrittes durch den Tag gehst, warm zu anderen bist und ein paar Geheimnisse mit dir trägst, die niemandem gehören außer dir selbst, frei im Kopf und frei im ganzen Wesen. Für dich suche ich aus.

Vielleicht nimmst du nur einen schönen Stein mit, und auch das ist gut so. Und vielleicht stehst du irgendwann abends am Fenster und schaust nach, in welcher Phase der Mond gerade steht.

Yvonne